Blog und Aktuelles

Neue Praxisfotos

Freitag, 9.6.2017

Seit einiger Zeit gibt es hier auf meiner Website neue Bilder meiner Praxis, die von Mag. Hans-Georg Maier (www.praxisfotos.at) angefertigt wurden. Die älteren Bilder waren schon etwas in die Jahre gekommen und zeigten teilweise eine Inneneinrichtung, die es so gar nicht mehr gibt.

Alle Praxisbilder sind durch Klick auf das Bild rechts zu erreichen.

#praxisbilder #praxisfotos #fotografmaier

Der Filterblasen-Unsinn

Mittwoch, 17.5.2017

Insbesondere im Zusammenhang mit der amerikanischen Präsidentenwahl tauchten im Vorjahr die Schlagworte "Filterblase" und "Echokammer" auf. Damit sollte uns weisgemacht werden, dass wir uns zu einseitig informieren. Doch ist das wahr? Und wenn es wahr wäre, ist es neu?

Als Soziale Gruppe gilt in Soziologie und Psychologie eine Gruppe, deren Mitglieder sich über einen längeren Zeitraum in regelmäßigem Kontakt miteinander befinden, gemeinsame Ziele verfolgen und sich als zusammengehörig empfinden. Innerhalb der Gruppe entwickelt sich dabei neben gemeinsamen Normen und Wertvorstellungen eine gruppenspezifische Rollenverteilung (1). Die Definition einer sozialen Gruppe besteht also gerade darin, dass es sich um gleichgesinnte, ähnlich denkende Menschen handelt. Das gibt uns Sicherheit und ermöglicht uns, offener zu sein als im normalen Alltag. Diese Gruppen haben fast immer ähnliche Interessen, ähnliche Weltanschauung und vergleichbare politische Gesinnung. War das denn jemals anders?

In Zeiten vor Facebook und Co gab es den Stammtisch, diverse Vereine und Clubs, die genau diesen Sinn hatten, dass Menschen unter sich sein konnten. Und sie wollten ganz bewusst keine Menschen dort sehen, die hinsichtlich Weltanschauung und politischer Gesinnung ganz anders waren als sie selbst. Das Gleiche ergibt sich jetzt bei Facebook, Twitter, etc. So weit, so unspektakulär.

Darüber hinaus ist es eine Frage des Bewusstseins, inwieweit ich mitbekomme, was in der Welt vorgeht, welche Meinungen es gibt und welche Standpunkte. Und zu glauben, dass Facebook das Meinungsspektrum repräsentativ abbilde, ist eine weitere Fehlannahme. Bekanntermaßen werden die Extrempunkte besonders stark vertreten, während Menschen mit einer gemäßigteren Meinung kaum Kommentare posten. Sie lesen meist nur mit und werden dann von Angst überwältigt.  

Die implizite Aufforderung einiger Medien, wir sollten jetzt auch die Seiten jener Menschen lesen, deren Meinung wir ganz und gar nicht teilen, ist entweder nett gemeint und ein bisschen naiv oder ein dreister Manipulationsversuch. Abgesehen davon ist es ohnehin sinnvoller, politische Inhalte über viele verschiedene Kanäle (Zeitungen, Magazine, Fernsehen, politische Veranstaltungen, Diskussionen, etc.) zu verfolgen und nicht nur über ein Medium.

1) https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Gruppe

#Filterblase #Echokammer #sozialeGruppe

Dialogwoche Alkohol: Wie viel ist zu viel?

Freitag, 5.5.2017

Österreich ist ein Land, in dem sehr viel Alkohol getrunken wird. Eine Informationskampagne in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium möchte jetzt darüber informieren, ab welcher Grenze problematischer Konsum beginnt, wer alkoholgefährdet ist und wo die Sucht beginnt.

Weitere Informationen und Hinweise unter: Dialogwoche Alkohol

#Alkohol #Alkoholgefährdung #Sucht

FABELhafte Denkanstöße

Mittwoch, 19.4.2017

Fabelhafte Denkanstöße, von Elisabeth Alge-Koranda, ist ein Buch mit vielen Impulsen, Ideen und Gedanken. Es enthält über 40 kurze Geschichten und Gedichte voller Tiefe, Humor und Inspiration. Oftmals lassen sich die Geschichten aus den unterschiedlichsten Betrachtungswinkeln lesen und eröffnen jedes Mal neue Perspektiven.

Für Insider, als die ich Coaches, Psychologen und Psychotherapeuten bezeichnen möchte, ist es an vielen Stellen erkennbar, auf welches Konzept oder welche Theorie sich eine Geschichte bezieht. Alleine das befriedigt wegen des Wiedererkennungseffekts den aufmerksamen Leser. Aber auch der psychologische Laie wird viele neue Erkenntnisse gewinnen. Und vielleicht ist das Schönste, was man über dieses Buch sagen kann, dass es die Phantasie anregt und an manchen Stellen zum Träumen verleitet.

Die Autorin spielt in vielen Geschichten mit dem Wechsel von Perspektiven. Das kommt am klarsten zum Ausdruck in den Geschichten mit dem „grünen Dings“, einem außerirdischen Wesen, das den Bewohnern seines Heimatplaneten minutiös die seltsamen Verhaltensweisen der Erdlinge berichtet oder auch in dem Papagei, der bei jeder Gelegenheit fragt: „Und was ist das Gute daran?“ Der Leser erhält so die Möglichkeit, die Dinge auch einmal ganz anderes zu sehen, zu dekonstruieren und neu zu bewerten.

Völlig unaufdringlich und zart zieht sich durch fast alle Geschichten ein Hauch von Gesellschaftskritik, die unseren Lebensstil hinterfragt und an mehreren Stellen aufzeigt, wie allmählich nicht Materie und Geld, sondern Zeit unser wertvollstes Gut geworden ist.

Aus ganz praktischer Sicht ist das Buch wegen der Kürze seiner Geschichten ideal als Lektüre in öffentlichen Verkehrsmitteln geeignet. Als Impulsgeber und Ideenlieferant ist es sicherlich auch hervorragend geeignet im Rahmen von Beratung, Coaching und Therapie.

Psychotherapie ist Selbstentdeckung

Mittwoch, 5.4.2017

Sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft können von Psychotherapie profitieren. Niemand muss dafür "gestört" oder gar "verrückt" sein. Es reicht völlig, wenn jemand mit bestimmten Aspekten seines Lebens nicht so gut klar kommt, wie er das selber gerne möchte. Wenn beispielsweise Beziehungen immer wieder recht unbefriedigend verlaufen oder rasch enden oder wenn jemand im Beruf unzufrieden ist und das Gefühl hat, seine einzigartigen Fähigkeiten und Begabungen nicht gut einbringen zu können.

Psychotherapie brauchen daher nur wenige Menschen, von Psychotherapie profitieren können jedoch fast alle.

Allerdings gilt es zu wissen, was Psychotherapie ist und was sie nicht ist. Wer erwartet, dass der Therapeut seine Probleme löst, wird enttäuscht werden. In einer Psychotherapie geht es primär um eine intensive und tiefgründige Selbsterforschung, um das Kennenlernen all unserer Stärken und Schwächen sowie um das Aufdecken der Ursache von heutigen Verhaltensmustern. Am Ende sollen Sie sich selbst besser verstehen und mit allen Persönlichkeits-Anteilen annehmen können. Dazu ist eine intensive Auseinandersetzung mit Ihren Gefühlen, Ihrem Körper und Ihren Gedanken nötig, die Ihnen niemand abnehmen kann.

Ein Therapeut ist dazu da, kluge Fragen zu stellen und Sie mit der Nase auf Zusammenhänge zu stoßen, an die Sie bisher nicht gedacht haben. Er wird Ihnen aber keine Rezepte liefern und auch keine Ratschläge geben. Sie sollen vielmehr Ihre Lösungen finden und nicht die von anderen übernehmen. Am Ende wird ein klareres und viel vollständigeres Verständnis Ihrer eigenen Persönlichkeit stehen, Sie werden mehr Möglichkeiten haben als zuvor und eigene Schattenanteile nicht mehr so häufig auf andere projizieren, sondern immer öfters die Frage stellen: Was ist mein Anteil an diesem Konflikt oder Problem?

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Inneren wird, wenn alles gut läuft, lebenslang weitergehen, aber Sie werden sehr bald schon keinen Therapeuten mehr dazu benötigen.

#Psychotherapie #Selbsterforschung #Selbsterkenntnis

Multitasking ist gesundheitsgefährdend

Montag, 20.3.2017

Lange Zeit galt Multitasking, also die Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, als überaus erstrebenswert. Schließlich kann auch jeder Computer parallel fünf, sechs oder mehr Programme gleichzeitig verarbeiten. Wieso also sollten wir Menschen das nicht können?

Interessanterweise haben Hirnforscher immer jene Metapher für die Funktionsweise des menschlichen Gehirns gewählt, die der jeweiligen Technik der Zeit entsprach. Waren das im 19. Jahrhundert hydraulische Hirnmodelle, gehen wir heute davon aus, das menschliche Gehirn funktioniere wie ein Computer. Genau das ist aber grundfalsch.

Erst seit wenigen Jahren wissen wir, dass das sogenannte Multitasking in hohem Maß gesundheitsschädlich ist. Wird das Gehirn gezwungen, ständig zwischen mehreren Aufgaben hin und her zu springen (z.B.: Auto fahren, telefonieren, SMS versenden, mit dem Beifahrer sprechen), so erzeugt das einerseits Stress und führt andererseits zu einem erheblichen Konzentrations- und Leistungsverlust.

Das Gehirn ist nicht mehr in der Lage, Informationen wirklich tief zu verarbeiten. Sie werden jetzt nur mehr oberflächlich bearbeitet. Als Spätfolge dieses Dauerstresses im Gehirn kommt es schließlich dazu, dass der betreffende Mensch nicht mehr zwischen wichtigen und unwichtigen Themen unterscheiden kann. Der nicht endende Stress führt zu Burnout oder sehr langfristig sogar zu hirndegenerativen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Alzheimer.

Tipp: Machen Sie mal einen Spaziergang und lassen Ihr Handy zu Hause oder legen Sie einen handyfreien Tag ein.

#Multitasking #Stress #Burnout #handyfreierTag

Was bringt Psychotherapie?

Mittwoch, 22.2.2017

Vielen Menschen fällt es generell schwer, Hilfe anzunehmen. Besonders schwer scheint das aber dann, wenn es um psychische Konflikte, Stress und traumatische Erfahrungen geht. Niemand würde wohl meinen, mit einem Knochenbruch oder einer Lungenentzündung selber fertig werden zu können. Wenn es aber um die Psyche geht, sieht das leider immer noch anders aus.

Die Aussage von Freunden: "Such dir einen Psychologen!", wird selten als mitfühlender Rat empfunden, sondern vielmehr als Versuch jemanden zu stigmatisieren oder auszugrenzen. Wenn Sie einer Freundin/einem Freund wirklich eine Therapie empfehlen wollen, ist es meist hilfreicher, von eigenen positiven Erfahrungen mit psychologischer Beratung und Psychotherapie zu berichten. Das wirkt sehr viel motivierender!

Das Besondere an einer Therapiesituation ist einerseits, dass ich als Klient vollkommen angenommen werde wie ich bin, dass jeder Gedanke, jedes Gefühl, jedes noch so bizarre Verhalten sein darf und dass andererseits der Therapeut überaus achtsam darüber wacht, was echt an mir ist und was unecht. Anders ausgedrückt: ich werde als Mensch total angenommen, während meine Rollen, die ich mir zu spielen angewöhnte, um ein falsches Selbstbild von mir aufrecht zu erhalten, systematisch frustriert werden. Das führt schließlich dazu, dass ich mich von gesellschaftlichen Erwartungen frei machen kann und immer authentischer der werde, der ich eigentlich bin, mit all meinen Fähigkeiten, Begabungen und vielleicht auch Schwächen.

#Psychotherapie #psychologischeHilfe #Psychotherapieempfehlung

Psychotherapie verändert das Gehirn

Sonntag, 12.2.2017

Dass Psychotherapie das Gehirn verändern kann, hatte man schon länger vermutet. Nun hat ein Schweizer Forscherteam diese Vermutung bestätigt. Durch eine mehrwöchige Therapie normalisierten sich insbesondere jene Gehirnstrukturen, die für die Regelung und Verarbeitung von Emotionen zuständig sind (vgl. Artikel "Psychotherapie kann Gehirn verändern" in Wiener Zeitung. 6.2.2017)

Psychotherapie scheint insbesondere deshalb nützlich zu sein, weil wortwörtlich alte neuronale Bahnen verlassen werden und das Gehirn angeregt wird, neue Vernetzungen zu bilden. Insofern scheint auch all das in der Therapie hilfreich zu sein, was den Klienten dazu motiviert, Neues auszuprobieren.

Besonders im Falle einer Depression weist etwa Grawe (2004) darauf hin, dass die kurzfristige Besserung nach etwa 6 bis 10 Wochen Therapie trügerisch sein kann. Vereinfacht ausgedrückt liegt das daran, dass die neuronalen Bahnen für Trauer, Leid und Depression im Gehirn quasi wie Autobahnen ausgebaut sind, während die neuronalen Netzwerke für Freude und andere positive Gefühle eher schmalen Fußwegen entsprechen.

Eine Therapie sollte demnach so lange dauern, bis der Klient ausreichend Fähigkeiten entwickelt hat, sich zu freuen, positive Aktivitäten von sich aus zu suchen und Strategien entwickelt hat, depressiver Stimmung aktiv vorzubeugen. Nur dann ist gewährleistet, dass die entsprechenden Strukturen im Gehirn ausreichend gefestigt sind, um einen Rückfall in die Depression zu verhindern.

#Neuropsychologie #Depression #Angststörung

Literatur
Grawe, Klaus (2004). Neuropsychotherapie. hogrefe Verlag.

Buchtipp

Freitag, 27.1.2017

Das Buch "Die Behandlung der Opfer" ist ein sehr ausgewogenes und differenziertes Buch über traumatherapeutische Arbeit mit Flüchtlingen. Klaus Ottomeyer ist spürbar ein Praktiker, der offen und kritisch prüft, welche Konzepte und Techniken funktionieren und welche eher weniger hilfreich sind. Das Buch geht außerdem recht ausführlich der Frage nach, inwiefern gesellschaftspolitischer Diskurs und Behördenwillkür zu sekundären Traumatisierungen führen können und führen. Die Auseinandersetzung mit Themen wie Schuld, Vergebung und Versöhnung am Ende des Buches hat in der Fachliteratur Seltenheitswert und machen das Buch auch deshalb besonders lesenswert.

#trauma #traumaarbeit #traumatherapie

Klaus Ottomeyer. Die Behandlung der Opfer: Über unseren Umgang mit dem Trauma der Flüchtlinge und Verfolgten.

Fake-News aus gestalttherapeutischer Sicht

Mittwoch, 18.1.2017

Falsche Behauptungen, Lügen, Auslassungen von Informationen und bewusste Irreführung gab es wohl immer. Allerdings scheint es so, dass wir gegenwärtig häufiger auf solche Unwahrheiten hereinfallen.

Das mag einerseits eine direkte Auswirkung unseres beinahe blinden Vertrauens in die Technik sein, andererseits aber auch Indiz für eine zunehmende Sinnes-Blindheit. Wir vertrauen unseren Augen, Ohren und unserer Nase nicht mehr. Wir hören kaum auf die Signale unseres Körpers und wir scheinen kritisches Denken immer mehr zu verlernen. Dazu kommt vielleicht noch eine Überforderung durch die Komplexität einer sich rasch verändernden Welt, die uns anfällig macht für sehr simple Botschaften, so unwahr sie auch sein mögen.

Ein wesentliches Element der Gestaltarbeit ist das vollständige Spüren, Erfahren und Annehmen des Hier und Jetzt. Was sehe ich gerade jetzt? Was höre ich hier im Raum? Wie erlebe ich meinen Körper, meine Atmung, meinen Herzschlag? Was denke ich gerade jetzt über das Gesehene, das Gehörte oder mein Gegenüber? Welche Gefühle erlebe ich gerade?

Kommunikation im Internet läuft oft so, dass ich eben nicht mit dem Sender einer Botschaft in echten Kontakt gehe, sondern ein einzelnes Stichwort dazu führt, sofort mit meinen eigenen Vorurteilen und Meinungen in Kontakt zu gehen, also mit dem, was ich über eine Situation denke. Genau dann höre ich nicht mehr zu, sehe ich nicht mehr hin und der Kontakt bricht ab. Ich überprüfe dann auch gar nicht mehr, ob das stimmen kann, was ich gerade gesehen oder gelesen habe.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wir wissen nicht, was andere Menschen denken und fühlen. Wir interpretieren ihr Verhalten und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken beleidigt.

#gestalttherapie #gestaltarbeit #kontakt

 

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen. (Chinesische Weisheit)

Weitere Artikel

Zahlreiche weitere Artikel zum Thema Psychotherapie und insbesondere Gestalttherapie finden Sie auch in meinem psyonline-Blog.