Humor in der Psychotherapie
Menschen, die Psychotherapie in Anspruch nehmen, haben in der Regel Schwierigkeiten in der Bewältigung von Konflikten, Alltagssituationen oder Beziehungen. Oftmals geht es auch um die Verarbeitung von Krisen, belastenden Ereignissen oder gar Traumata. Dennoch muss Psychotherapie keine todernste Angelegenheit sein. Humor, Ironie und Komik können Situationen auflockern, neue Perspektiven eröffnen und Ressourcen zugänglich machen. Humor kann bisweilen emotionale Distanz zu belastenden Erfahrungen schaffen, Perspektivenwechsel fördern und die therapeutische Beziehung stärken. Besonders in der Behandlung von Depressionen, Angststörungen oder chronischem Stress wird Humor zunehmend als ergänzende Intervention untersucht.
Mitunter reagieren Klient:innen allerdings irritiert auf eine humorvolle Bemerkung. Das muss nicht sofort eine Störung des therapeutischen Prozesses sein, sondern kann diagnostisch und beziehungsdynamisch sehr aufschlussreich sein. Hier gilt es dann genau hinzusehen, was die Ursache dieser Irritation war. In diesem Fall kann Humor dann selbst Gegenstand der therapeutischen Untersuchung werden. Die Offenlegung der eignen Intention, z.B. für Entlastung zu sorgen, und die Hinterfragung, was die humorvolle Bemerkung stattdessen im Klienten ausgelöst hat, kann hier sehr hilfreich sein.
Im günstigsten Fall, kann Humor helfen, emotionale Spannung zu regulieren. Wenn Klientinnen und Klienten über belastende Situationen auch einmal lachen können, verlieren diese häufig einen Teil ihrer Bedrohlichkeit. Es geht nicht darum, Probleme zu leugnen, sondern andere Perspektiven zu eröffnen, Hoffnung zu fördern und die psychische Flexibilität zu erhöhen. Auf diese Art können humorbasierte Interventionen positive Effekte auf depressive und ängstliche Symptome haben.
Gemeinsames Lachen kann Nähe, Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit in der therapeutischen Beziehung fördern. Damit können Hierarchien abgebaut werden oder schwierige Themen zugänglicher werden. Aus der Psychoneuroimmunologie wissen wir außerdem, dass Lachen positive körperliche Effekte haben kann, indem es Stressreaktionen reduziert und indirekt das Immunsystem unterstützt. Eine Studie aus Deutschland konnte beispielsweise nachweisen, dass humorvolle Interventionen den Cortisolspiegel senken können (Froehlich, 2021).
Mit Bedacht eingesetzt, kann Humor eine sehr heilsame Wirkung in der Psychotherapie entfalten. Obendrein ist die Zugänglichkeit für Humor für mich auch ein wichtiger diagnostischer Hinweise, dass diese:r Klient:in noch über Ressourcen verfügt, die ihr:ihm bei der Bewältigung schwieriger Lebenssituationen oder belastender Ereignisse helfen können.
Literatur
Froehlich, E., et al., (2021). A short humorous intervention protects against subsequent psychological stress and attenuates cortisol levels without affecting attention. Scientific Reports. Nature portfolio. 11:7284. https://doi.org/10.1038/s41598-021-86527-1